Am
27. Januar, dem Internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, nahmen Vertreterinnen von aktion weitblick an einer Gedenkveranstaltung in der Berliner Philharmonie teil. Im Mittelpunkt sollte nicht nur das bloße Erinnerungsritual stehen, sondern vielmehr eine Auseinandersetzung über die Verantwortung für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stattfinden.
In einer Podiumsdiskussion sprachen unter anderem der Künstler Andreas Maus, Jutta Pöstges, die künstlerische Leitung vom Kunsthaus KAT18, und Jürgen Dusel, der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, über Erinnerungskultur und ihre Bedeutung heute. Begleitend wurden Arbeiten von Andreas Maus ausgestellt, in der er seine langjährige künstlerische Auseinandersetzung mit den Verbrechen von Krieg und insbesondere des Nationalsozialismus sichtbar macht. Besonders eindrücklich ist sein Künstlerbuch über Anne Frank, das ihre Geschichte ins Zentrum stellt.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Jeremi, Johanna und Silas Zschocke, die gemeinsam berührende Momente schafften.
„Schweigen vergiftet!“ war eine Aussage von Andreas Maus, die sich wie ein Leitmotiv durch die Veranstaltung zog. Sie verdeutlichte, dass das Verdrängen von Geschichte gesellschaftliche Folgen hat. Erinnerung sollte nicht als Selbstzweck sondern als Verantwortung verstanden werden, die unser heutiges Handeln prägen muss. Auch der Satz „Nie wieder“ wurde als klarer Auftrag verstanden, sich gerade angesichts aktueller politischer Entwicklungen für Demokratie und Menschenrechte einzusetzen. Maus machte deutlich, wie eng seine künstlerische Arbeit mit der Auseinandersetzung mit Gewalt und den Verbrechen an Menschen mit Behinderungen verbunden ist. Seine Zeichnungen zeigen, was eine Gesellschaft anrichten kann, wenn sie Menschen abwertet und ausgrenzt.
Jürgen Dusel erinnerte daran, dass Menschen mit Behinderungen im Nationalsozialismus systematisch ausgeschlossen, entrechtet und ermordet wurden. Mit Blick in die Gegenwart warnte er, dass heutige Debatten nicht losgelöst von unserer Geschichte betrachtet werden dürfen. Der Umgang mit Inklusion sei bis heute von unserer Vergangenheit geprägt. Auch darum sei Inklusion nicht als freiwillige Aufgabe zu betrachten, sondern als eine menschenrechtliche Verpflichtung. Kunst könne helfen, neue Perspektiven zu eröffnen – insbesondere dann, wenn sie von Menschen stammt, deren Stimmen oft überhört werden.
Die Diskussion machte deutlich, dass Erinnerung Verantwortung übernehmen bedeutet. Für aktion weitblick als soziale Organisation, die mit Menschen mit Unterstützungsbedarf arbeitet und sie begleitet, ist diese Auseinandersetzung zentral. Die nationalsozialistischen Verbrechen mahnen uns, wachsam zu bleiben gegenüber Ausgrenzung und dem Entzug von Rechten. Erinnerung ist für uns daher nicht nur Rückblick, sondern Auftrag für unser tägliches Handeln. „Schweigen vergiftet!“ bringt dies auf den Punkt: Erinnern heißt, hinzuschauen und sich aktiv für eine inklusive, demokratische Gesellschaft einzusetzen, in der die Würde jedes Menschen geschützt wird.
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